Der Weinbau - heute

Alte Postkarte - Obernhof mit seinen großen Weinbergen.

Weinbau an der Lahn hat eine lange Tradition und eine eigene Geschichte. Im Jahre 1139 übernahmen Prämonstratenser Mönche aus Calbe an der Saale die alte Burg des Grafen Ludwig von Arnstein und begannen mit dem Umbau zum Kloster. Noch im Jahr der Gründung des Klosters entsandten die Patres, der Legende nach, zwei Brüder in ein befreundetes Kloster in Burgund. Die beiden Mönche wurden ein Jahr lang mit den grundlegenden Kenntnissen des Weinbaus vertraut gemacht und kehrten, so die Sage, im Jahre 1140 mit mehreren Bündeln Spätburgunder-Setzlingen zu Fuß nach Arnstein zurück. Vom Kloster Arnstein aus wurden in vielen Orten der Umgebung Wingerte angelegt, unter anderem in Seelbach, Winden, Weinähr, und Obernhof. Ausgehend von der unteren Lahn breitete sich der Weinbau nach und nach fast das ganze Lahntal hinauf und teilweise auch in die Seitentäler aus. In seiner Blüte im 16. und 17. Jahrhundert wurden zwischen Marburg und Lahnstein mehr als 100 Hektar Weinberge bebaut.

 

Betriebswirtschaftlich unterschied sich der Weinbau an der Lahn grundlegend von den Gegebenheiten an Mosel und Rhein. Weinbau an der Lahn war, von wenigen Betrieben (Kloster Arnstein, Obernhof; Weingut Graf von und zum Stein, Nassau; Fürstlich Wiedsche Kellerei, Runkel) abgesehen, immer ein Zubrot im Rahmen der bereits betriebenen Landwirtschaft. Da die Lahn aufgrund der klimatischen Veränderungen (Absinken der mittleren Temperaturen nach der Mittelalterlichen Warmzeit) spätestens ab dem 18. Jahrhundert als Weinbau Randgebiet zu betrachten ist, war der Weinbau auch der Betriebszweig, der, bei sich bietenden Einkommensalternativen, zuerst aufgegeben wurde.

 

Im 19. Jahrhundert ging der Weinbau stark zurück, so weist die Preußische Lagenklassifizierung von 1866 nur noch wenige Weinberge in Obernhof und Weinähr aus

Geographisch gehörten die Weinberge an der Lahn nach 1805 aufgrund ihrer Lage in Hessen-Nassau (ab 1866 preußische Provinz) zum Weinbaugebiet Rheingau. Es sind daher in den Hessischen Staatsarchiven in Weilburg, Wiesbaden und Idstein, sowie im Weinbauamt Eltville zahlreiche Unterlagen über den Umfang des Weinbaus und die Erntemengen an der Lahn erhalten. Leider sind die daraus ersichtlichen Zahlen vielfach widersprüchlich. Zudem schwanken die Angaben über die bestockte Fläche der einzelnen Gemarkungen und die Ertragszahlen in wenigen Jahren um mehrere 100 Prozent, so dass ohne eine eingehende Sichtung der Daten keine detaillierten Aussagen zu treffen sind. Sicher ist, dass der Weinbau an der Lahn im Laufe des 19. Jahrhunderts weiter an Bedeutung verlor, zumal der erstarkende Bergbau, die Schifffahrt und ab 1864 die Eisenbahn bessere Einkommensalternativen boten.

 

Ab 1880 wurden die brachliegenden Weinberge durch zuwandernde Familien von der Mosel wieder in die Bewirtschaftung genommen. Seit dieser Zeit spielt die Rebsorte Riesling auch an der Lahn eine bedeutende Rolle. Um 1900 wurde von staatlicher Seite versucht den Weinbau an der Lahn weiter zu stärken. So wurden vermehrt Kurse und Schulungen angeboten, die den Wissensstand der Winzer verbessern sollten. In dieser Zeit wurde auch versucht die Rebsorte Saint Laurent einzuführen, die anders als der althergebrachte rote Burgunder gleichmäßigere und bessere Erträge versprach. Angebaut wurde diese Rebsorte daraufhin allerdings nur in sehr begrenztem Rahmen.

 

Anders als am Mittelrhein und an der Mosel blieb die Lahn in den 1920er Jahren von der Reblaus fast vollständig verschont. Der zur gleichen Zeit massiv auftretende falsche Mehltau (Peronospora, Plasmopara viticola) führte jedoch zur Aufgabe des Weinbaus an der mittleren Lahn oberhalb Diez. Während der Weltwirtschaftskrise wandte sich die bäuerliche Bevölkerung an der unteren Lahn wieder vermehrt dem Weinbau zu. Dies wurde ab 1932 durch die Neuanlage von Weinbergen im Rahmen von Programmen des Reichsnährstandes massiv unterstützt. Neu angepflanzt wurde vor allem Riesling, der als Sektgrundwein über Kommissionäre vermarktet wurde. Der Weinbau erreichte daher von 1936 bis 1956 an der unteren Lahn seine größte Ausdehnung. So wurden 1938 in Obernhof (12 Ha) und Weinähr (28 Ha) insgesamt 40 Hektar Rebfläche bebaut.

 

Nach dem 2.Weltkrieg hielt sich der Weinbau noch einige Jahre. Wein war ein begehrtes Tauschobjekt. Im aufkommenden Wirtschaftswunder verlor der Weinbau jedoch rasch wieder an Boden denn es gab neue lukrativere Einnahmequellen, vor allem auch im Tourismus. 1956 kann als ein Schicksalsjahr des Weinbaus an der Lahn bezeichnet werden, da aufgrund von Spätfrösten „Noch nicht ein Eimer Trauben“ aus allen Weinbergen Obernhofs geerntet werden konnte. Trotz eines Hilfsprogramms der Rheinland-Pfälzischen Landesregierung gaben daraufhin zwei Drittel der Betriebe den Weinbau auf. Die verbliebenen Betriebe setzten danach auf die ausschließliche Selbstvermarktung im Rahmen von Weinstuben oder Straußwirtschaften. Die Betriebsform Weinbau alleine ist seit dieser Zeit an der Lahn nicht mehr anzutreffen.

 

Mit der Reform der Weinbaugesetzgebung 1971 hörte das Weinbaugebiet Lahn auf zu existieren. Die noch bestockten Lagen (damals 4) wurden unter der Großlage Lahntal dem Weinbaugebiet Mittelrhein zugeschlagen. 1981 wurden an der Lahn noch 5,5 Hektar Rebfläche bebaut, davon etwa 4,8 Hektar in Obernhof und Weinähr. Durch ein beschleunigtes Zusammenlegungsverfahren des Kulturamtes Westerburg in Obernhof, in den Jahren 1982 bis 1985 gelang es die bebauten Flächen dort wieder auf etwa 6 Hektar auszudehnen.

 

30 Jahre später stehen die Lahnwinzer nun in einem neuen Flurbereinigungsverfahren, dessen Ziele auf der Homepage des federführenden Dienstleistungszentrums Westerwald-Osteifel folgendermaßen formuliert sind:

 

"Durch die Flurbereinigung soll die Möglichkeit eröffnet werden, den Weibau an der Lahn für zukünftige Generationen zu sichern. Insbesondere strukturelle Veränderungen in der Flächenausstattung der Weinbaubetriebe sind notwendig, Brach liegendes Gelände im Anschluss an die neu ausgewiesenen Rebflächen (sog. Pufferflächen) ist freizustellen und dauerhaft offen zu halten. Neben dem Schutz der Weinberge vor Vogelfraß und Wildschäden führt dieses auch zur verbesserten Besonnung und Belüftung, außerdem wird das Orts- und Landschaftbild erheblich aufgewertet.
Auf der Grundlage des bestehenden Wegenetzes sollen die Voraussetzungen für den Einsatz eines Raupenmechanisierungssystemes (RMS) zur maschinellen Bewirtschaftung der Weinberge geschaffen werden.
Aus landespflegerischer Sicht kann das Verfahren dazu beitragen einen langfristig tragfähigen Ausgleich zwischen ökonomischen und ökologischen Ansprüchen herzustellen."

Unsere Winzer

insg. bewirtschaften drei Winzer die Weinberge in Obernhof. Durch die Steillagen ist dies eine ganz besondere Herausforderung.

Lahn-Wein-Proben

Selbstverständlich können SIe unseren leckeren Lahnwein auch auf ganz unterschiedliche Arten und Weisen verköstigen...

aktuelle Flurbereinigung

Seid 2017 findet eine große Veränderung in den Steillagen und Weinbergen in Obernhof und Weinähr statt... Die Flurbereinigung ist in vollem Gange.

Bürgerweinberg

Ein tolles neues Projekt startet 2019. In Weinähr und Obernhof soll jeweils ein Bürgerweinberg angelegt, bzw. gepflegt werden...

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