Die Lahn - HIstorische Entwicklung einer Wasserstraße

Aquarell von Hermine Haxel

Lahnschifffahrt ist uralt. Die ersten christlichen Sendboten fuhren auf der Lahn in das heidnische Gebiet des Lahngaus und des Vogelberges und nach frommer Sage landete der Leichnam des Heiligen der Lahnschiffer – Lubentius – von der Mosel herauf auf unbemanntem Nachen vom Wind die Lahn stromauf getrieben, oberhalb von Limburg an der Dietkirche“.(Ernst Goldsticker)


Der Zustand der Wasserstraße war von Natur aus für die Schifffahrt wenig günstig: Stromschnellen, große Steine, Sandbänke waren schwer zu überwinden, und es fehlte an einem durchgehenden Leinpfad, der für die Bergfahrt unerlässlich war. So konnten nur sehr kleine Fahrzeuge verwendet werden. Dies gab Anlass zur ersten Schiffbarmachung. Sie geschah 1559-1599 auf Befehl Graf Johanns VI. von Nassau - Dillenburg (1559-1606), zu dem Diez damals gehörte. Er erhoffte sich eine Verbesserung des unterhalb bestehenden, sehr unvollkommenen Schiff- fahrtsweges. Durch den holländischen Ingenieur Henrich Wessel wurden die seichten und verwilderten Stellen beseitigt und auf dem rechten Lahnufer ein Leinpfad angelegt, der von Mann und Pferd benutzt werden konnte. Seitdem fuhren auf dem Teilabschnitt Diez-Niederlahnstein Schiffe, die bis zu 8 Fuhren Wein und 100 Malter Korn trugen.


„Die Lahn dürfte unter den Flüssen ziemlich einmalig darin dastehen, dass nicht weniger als sechsmal im Verlaufe von fünf Jahrhunderten ein Anlauf unternommen wurde, den Fluss für eine den Ansprüchen der Zeit genügende Schifffahrt auszubauen.“ (Nassauer Annalen)


In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts war es der Kurfürst von Trier, der die Schifffahrt der unteren Lahn verbessern wollte, um besonders Marmor und Kalk in seine übrigen Lande an der Mosel befördern zu können.


1653 suchte Landgraf Georg von Hessen vergeblich, eine Einigung der an der Lahn sitzenden Territorialherren über den Lahnausbau zustande zu bringen. Ebenso scheiterte ein Versuch des Kurfürsten zu Trier im Jahre 1687.

Landgraf Karl von Hessen vertrat 1710 sogar den Gedanken an einen Lahn-Fulda Kanal. Doch die geologische Beschaffenheit des Lahntals ließ diesen Plan scheitern.


1682 ließ die Fürstin Albertine von Diez ein Wehr schließen, um einen Lachsfang anzulegen. Die oberhalb liegenden Machthaber erhoben Einspruch und es entstand ein Streit, der immer wieder aufflammte und sich bis ins 18. Jahrhundert hinzog.


„Da kam die Entscheidung von unerwarteter Seite. 1745 zogen die Franzosen während des zweiten Schlesischen Krieges die Lahn herauf. Bei Ems, wo sie in Quartier gingen, war der Fluss infolge der seit 1715 betriebenen Flussregulierung für ihre Kähne gut geeignet. Bei Obernhof sprengten sie Stromschnellen und in Oranienstein das ,Streitwehr’, wie es der Volksmund nannte“. (Goldsticker ebd)


1762 fuhr der französische Ingenieuroffizier Guassony von Marburg nach Diez und sprach sich nach dieser Inspektionsreise für die Schiffbar- machung der Lahn aus. 1796 bereiste, während der französischen Revolutionskriege, eine französische technisch militärische Kommission die Lahn, um Möglichkeit und Zweckmäßigkeit ihrer Schiffbarmachung zu prüfen. Wegen des baldigen Rückzuges der franz. Truppen wurden aber die geplanten Arbeiten nicht in Angriff genommen.


Nach dem Reichsdeputationsgesetz von 1803 und nach der Gründung des Rheinbundes von 1806 wurde das Herzogtum Nassau als einheitlicher Staat am Unter- und Mittellauf der Lahn neu begründet.

 

Um 1810 nahm daher das Herzogtum Nassau die Schiffbarmachung der Lahn sofort tatkräftig in Angriff.

Durch den Vertrag am 16. September 1844 stellten die Uferstaaten Preußen, Hessen und Nassau ein einheitliches Bauprogramm auf.

Durch Erbteilung entstanden kleinste Territorien, die unterschiedlichen Herrschaftsbereichen angehörten und von der Lahn in ihrem Verlauf berührt wurden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1866 übernahm Preußen mit dem Herzogtum Nassau und Teilen des Großherzogtums Hessen die Verantwortung für fast die gesamte schiffbare Lahn.


1903 wurde ein Lahnkanalverein gegründet und in den Jahren 1905 bis 1907 wurde die Strecke von der Mündung bis Ems verbessert.


Seit 1929 ist auf der rund 67 km langen schiffbaren Lahnstrecke ein Verkehr mit Schiffen von 34 m Länge, 5,25 m Breite und 1,6 m Tiefgang, bei einer Ladefähigkeit für Motorschiffe von 180 bis 190 t., möglich.


Um 1928 wurde die Lahn gestaut, um für die neuen Motorschiffe (Schiffsschrauben) eine größere Tiefe zu erreichen und unabhängiger von Eis und Hochwasser zu werden. Ernst Goldsticker zieht ein Fazit:

„Die zahlreichen Landesgrenzen und Zollschranken der buntscheckigen Landkarte des Lahngebietes und das Fehlen einer starken Reichsgewalt, die imstande gewesen wäre kurzsichtigen Herrschafts- und Privatinteressen gegenüber eine einheitliche Linie für den Lahnausbau zu erzwingen, ließ Jahrhunderte lang alle Bemühungen scheitern.“


1781 gab der Schiffer Johann Raab auf Veranlassung des Amtes Diez folgende Erklärung:

„Von Diez, wo alle Waren auf dem Landweg ein- und ausgeladen wurden, ging die Fahrt zunächst nach dem dem Herrn von Born gehörigen, unter trierischer Oberhoheit stehenden Ort Balduinstein, wo sich das Wehr mit einer Schifffahrtslücke befand. Sowohl hier, wie in dem darauf folgenden Ort Geilnau wurde weder ein Zoll noch sonst etwas erhoben. In dem nun kommenden Ort Laurenburg - ebenfalls schaumburgisch - waren dagegen von dem Pferd (das den Nachen aufwärts zog) 13 Petermännchen (ehem.kurtrierische Silbermünze zu etwa 2 2/3 Pfennig) zu erledigen. Von hier aus ging es an dem hess. Hofe zu Altenhaus und dem der Abtei Arnstein gehörigen Dörfchen Kalkofen vorbei, nach dem nassau-oranischen Dorf Obernhof. Gegenüber lag das arnsteinische Wirtshaus, gen. das „Neue Haus“ und etwas weiter ab der Hof des Klosters, der ‚Balner.‘ Auf der ferneren Fahrt gelangte man zu dem unter Diez-Weilburg und Usingen gemeinschaftlichen Flecken Nassau, wo von der lahnauf abgehenden Frucht Zoll abgeführt werden musste. Dann kam Dausenau und weiter Bad Ems (Nassau-Diez und Hessen-Darmstadt gemeinsam ), wo von den lahnauf kommenden Waren Zoll zu erlegen war.


Ferner berührte man die dem Grafen von der Leyen gehörenden Dörfer Nievern - wo sich ein Wehr mit Lücke befand - und Miehlen und dann die Hüttenwerke zu Ahl und Hohenrhein. Beide Werke hatten Wehre mit Durchfahrtslücken, wovon die des erstgenannten auf der kurtrierischen, letztere auf der kurmainzischen Seite lag. Endlich erreichte man das Wehr der Weißmühle, passierte die Lücke und kam nach dem kurmainzischen Ober – und kurtrierischen Unterlahnstein, wo in beiden Orten Zollstätten waren.“

Alle Texte und Fotos dieser Seite stammen aus dem Heimatbuch Obernhof 2010. Weitere Informationen Rund um die Lahn - in der heuten Zeit finden Sie hier.

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