Der Obernhofer Weinbau - früher

Die Obernhofer Schulchronik berichtet 1897 über den Weinbau

 

„In den letzten Jahren hat sich das Interesse der hiesigen Einwohner in steigendem Maße dem Weinbau zugewendet. Jahrzehntelang hatte der Weinbau fast ganz geruht. Da siedelten sich mehrere Moselaner Familien hier an, die, da sie mit Verständnis und Fleiß die Weinberge bewirt-schafteten, gar bald den Beweis liefern konnten, daß der Weinbau in unserem Tal sehr lohnend sei und den Weinen anderer Gegenden gar wohl einen nicht weniger guten Tropfen entgegensetzen könne. Das Beispiel dieser tüchtigen Winzer regte dann mehrere Einwohner an, ihre fast ganz unbenutzt liegenden oder einer Dornhecke gleichenden Grundstücke an den sonnig gelegenen Bergabhängen auch mit Weinstöcken zu bepflanzen und sich damit eine neue Einnahmequelle zu verschaffen, die ihnen bei den hier herrschenden ungünstigen Erwerbsverhältnissen wohl zu gönnen ist. Hoffentlich bleibt der in 1897 und 1898 hervorgetretene Eifer in der Anlage neuer Weinberge noch lange rege, daß die das Auge beleidigenden Dorn-wildnisse immer mehr verschwinden.“2

Der Weinbau wird staatlich gefördert

 

Entschiedenen Aufschwung erlebte der Weinbau im 19. Jahrhundert als zu Ende der 80er Jahre fremde Winzer von der Mosel sich in Obernhof und Weinähr ansiedelten und neue Weinberge anlegten. Sie pflanzten vor allem Rieslingreben von der Mosel, während früher der rote Spätburgunder vorherrschte. Das Beispiel der Moselaner regte die Einheimischen zur Nachfolge an, und die Regierung gab den Ärmeren, meist Bergleuten, Zuschüsse zu den Rodungs- und Anlagekosten. Kurz nach 1900 wurden in Obernhof ein staatlicher Rebschnittgarten und ein Musterweinberg angelegt, in welchem 25 Jahre lang die verschiedenen Rebsorten erprobt wurden.“3

Weingut Bingel 1927

Um die schweren Bütten mit den geernteten Trauben nach Obernhof zu bringen und die Steigungen zu überwinden, wurden beim Fuhrunternehmen Rölz in Nassau Pferde oder Ochsen ausgeliehen.

Weltwirtschaftkrise – vom Fabrikarbeiter zum Winzer

 

Als am 31.12.1931 die Sprengstofffabrik Miedziankit bei Weinähr still-gelegt wurde und viele Obernhofer arbeitslos waren, pachteten einige von ihnen Weinberge in Nassau, die einem Herrn Marschall gehörten. Die Weinberge lagen im Nassauer Oberberg mit Steillagen im Terrassenbau. Die Entfernung von Obernhof betrug 6 km, der Anfahrtsweg enthielt mehrere Steigungen und die Bewirtschaftung erwies sich daher als äußerst mühsam. 1939 wurden die Weinberge in Nassau aufgegeben und die Winzer erwarben Grundstücke in Obernhof.

Der Reichsarbeitsdienst rodet - Ödland wird zu Rebland

 

In den Jahren 1933 bis 1938 erlebte der Weinbau an der unteren Lahn noch einmal einen Aufschwung. Abteilungen des freiwilligen Arbeitsdienstes rodeten viele Hektar Ödland zu Rebland. Laut Statistik erreichten die Rebflächen an der Lahn 1935 mit fast 42 ha ihre größte Ausdehnung. Im zweiten Weltkrieg erlebte der Weinbau keinen nennenswerten Rück-schlag. Wein wurde dringend gebraucht. Kriegsgefangene verrichteten Weinbergsarbeit. Solange nach dem Kriege der Tauschhandel blühte und Erwerbsmöglichkeiten fehlten, wurden die Rebstöcke sorgsam gepflegt. Es wurden sogar vereinzelt neue Weinberge angelegt.

 

Winzerfamilie Julius Haxel 1934 bei der Weinlese

Frostschäden verursachen Ernteausfall

 

In den 40/50ger Jahren betrieben ca. 20 Familien in Obernhof Weinbau als Nebenerwerb. Oft waren es nur wenige Reihen Rebstöcke. Die geernteten Trauben verkauften sie dann an den Händler Franz Friedrichs (Gasthaus Goetheberg), der den Most nach Eltville in die Sektkellerei (MM) brachte. Der Ernteausfall 1949 durch Frostschaden traf die Familien hart, die auf den Nebenverdienst durch den Verkauf der Trauben angewiesen waren. So erzählt Frau Milli Jarzombek (Müller) von der großen Not damals: Die Mutter tauschte Honig gegen Zucker und Mehl und ließ beim Bäcker anschreiben.

Die schweren Frostschäden haben hohe Ertragseinbußen und Einnahmeausfälle zur Folge. Die an den Folgen leidenden Obernhofer Winzer stellen beim Landratsamt in Diez einen Antrag auf Katastrophenhilfe. In dem hier abgebildeten Schreiben an den Bürgermeister von Obernhof, liefert die Weinbauschule und Weinbauberatungsstelle St. Goarshausen eine Aufstellung der Rebflächen und des prozentualen Frostschadens, die an den Landrat des Unterlahnkreises in Diez weitergesandt wurde.

 

Texte und Bilder: Obernhof Heimatbuch 2010

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