Aus Straußwirtschaften werden Weinberge

Als es in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts lohnendere Erwerbs-möglichkeiten gab, ging der Weinbau, der zum großen Teil als Nebenerwerb betrieben wurde, rasch zurück.

 

Die neuen Arbeitsstätten konnten mit Bahn und Auto bequem erreicht werden und die meisten Nebenerwerbswinzer gaben den Weinbau auf. Die Anbaufläche in Obernhof schrumpfte von ca. 60 ha auf 12 ha zusammen. Den wenigen verbliebenen, selbstvermarktenden Winzern sicherte der zunehmende Fremdenverkehr zwar guten Absatz durch Ausschank und Direktverkauf in den Straußwirtschaften, dennoch konnte kein ausreichendes Familieneinkommen erzielt werden. So entschlossen sich einige Winzer, eine ganzjährige Konzession zu beantragen und richteten Weinstuben ein.

 

Straußwirtschaft der Winzerfamilie Massengeil in den 50er Jahren

 

Der Weinbautechniker Norbert Massengeil-Beck führt in dritter Generation den Familienbetrieb weiter.

Die Winzer durften während drei Monaten ihren selbst erzeugten Wein ausschenken. Die sogenannten „Straußwirtschaften“, auch „Besenwirt-schaften“ genannt, übten auf die Menschen eine eigene Faszination aus. Die Obernhofer Winzer stellten jedoch keine Besen als Zeichen vor die Tür, sondern ließen sich Schilder malen.

Familie Heinrich Haxel stellte in dem Hof hinter dem Wohnhaus Tische und Bänke auf. An manchen Tagen wurde Tanzmusik gemacht.

Winzer und Kellermeister Uwe Haxel führt den Familienbetrieb in Obernhof in dritter Generation. Mit dem Refraktometer misst er die Zuckerkonzentration der Trauben in Grad Öchsle.

Straußwirtschaft Julius Haxel

 

Nachdem die Sprengstoff- fabrik Miedziankit bei Weinähr am 31.12.1931 schließt und Julius Haxel arbeitslos wird, schult der gelernte Schlosser um auf Winzer und wenige Jahre später singt er in seiner eigenen Straußwirtschaft seinen Gästen Lönslieder zur Gitarre vor.

 

 

rechts: Die Straußwirtschaft wird eröffnet. Auf dem Foto von 1936 ist Hermine Haxel mit Sohn Karl.

Links : Mit Gesang zur Gitarre unterhält Julius Haxel seine Gäste.

Mitte:  neben Julius Haxel ist seine Schwester Lisbeth Pohl zu sehen.

 

 

Was der Vater Julius Haxel begonnen hatte, wurde seit 1965 von Ernst Haxel im Familienbetrieb weitergeführt. Erst mehr als 20 Jahre später, im Alter von 50 Jahren, legte er seine Prüfung als Winzermeister ab. Überregional bekannt war Ernst Haxel als der „singende Winzer“, der seine Gäste mit Liedern zur Gitarre gekonnt zu unterhalten wusste. Im Jahr 2008 starb er überraschend im Alter von 70 Jahren.

 

 Ernst Haxel singt zur Gitarre, links Hannerlore Haxel

Alle Bilder und Texte dieser Seite stammen aus dem Heimatbuch Obernhof 2010.

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